Mutterblase

Seit der Geburt von Max befinde ich mich in einer Mutterblase. Was ist eine Mutterblase? Ich versuche es mal zu beschreiben. Alles dreht sich irgendwie nur noch um das Mutter sein. Dies ist nicht schlimm oder ich will mich beschweren – sondern empfinde ich dieses Mutterblasendasein.

Mutterblase – wenn ich zu jemanden komme, dann werde ich immer gefragt „Wo ist Mini K.?“ oder die Fragen: Wie geht es ihm, wie war die Nacht oder was kann er neues. Es gibt nicht mehr Nadine sondern Mutter Nadine – oder wie es in einem Buch (welches ich gerade lese) beschrieben wird, nach der Niederkunft bin ich Maxmutti. 🙂

Bitte versteht mich nicht falsch – ich beschwere mich nicht hier, aber warum verschwindet nach der Schwangerschaft die Frau Nadine für andere?
Ich versuche es wirklich mich dagegen zu wehren – habe mich aber schon oft erwischt wie ich mit Mini K. in der dritten Person spreche: „Max, die MUTTI geht mal eben auf die Toilette!“ ( zum Beispiel ) – TOTAL SCHLIMM!

Ich möchte nicht in der Mutterblase leben. Mini K. ist ein eigenständiger Mensch und er wird sich selber entwickeln und seinen Weg gehen. Ich werde ihn nicht in Watte packen – ich werde ihn auf seinen Weg begleiten und unterstützen aber für die Erziehung von Max werde ich nicht versuchen das Rad neu zu erfinden oder irgendwelche neuen Erziehungsmethoden anwenden.

Meine Freunde wurden von mir beauftragt, dass wenn ich so werde, sollten sie mir bitte bescheid geben. Ich möchte mein Leben nicht an einen Kleiderbügel im Schrank hängen und nun alles für Max aufzugeben, was sich in manchen Ohren total schlimm anhören mag. Ich bin aber auch Ehefrau und Freundin – meine Freundinnen sollen Max auch lieben aber es gibt auch andere Gesprächsthemen und glaubt mir, die müssen auch mal sein!

Trotz dieser konfusen Rabenmuttergedanken wird es Max nie an etwas mangeln, aber ich werde auch noch Frau sein dürfen, oder?

Was mir aber aufgefallen ist, seitdem Mini K. auf der Welt ist, bin ich sehr sehr emotional geworden. Ich kann kein Tod mehr im TV schauen – wenn Kinder im TV sterben, ist es noch schlimmer. Wenn ein trauriges Lied läuft bin ich am schniefen. Dies ist total fies und mir wurde gesagt, dass es noch immer die Hormone sind.

2 Kommentare

  1. Der Beitrag zeigt mir dass auch bei Dir schon diese typischen Einflüsse von außen gewirkt haben.
    Wieso entschuldigst Du dich für das was du schreibst? Du hast vollkommen Recht damit! Und Du musst Dich vor niemandem rechtfertigen oder Dich verteidigen.
    Mini K. wird voraussichtlich 18-25 (vielleicht auch 30 *g*) Jahre bei euch leben und dann ausziehen in die große weite Welt. Und dann? Viele, die sich voll aufs Kind konzentriert haben, wissen nicht, was DANN ist. Die fallen in ein tiefes Loch. Sowohl persönlich als auch partnerschaftlich. Das ist doch doof. Das wünscht man doch keinem.

    Diese Muttiblase, das hatten wir unter Müttern schon als Thema. In den ersten Monaten bzw. im ersten Lebensjahr ist diese Blase wohl ganz natürlich, da baut man die auch noch bis zu einem gewissen Teil selbst um sich herum. Wie eine Freundin sagte „Im ersten Jahr konnte ich gar nicht an die Arbeit denken, das wäre für mich unmöglich gewesen. Ich habs versucht, aber es ging nicht“. Es ist neu, das Kind noch sehr unselbstständig… ist dann vielleicht auch biologisch bedingt. Wer weiß. Aber man muss schauen dass das nicht so bleibt. Das Problem ist dass man teils von außen auch in diese Blase gedrängt wird.
    Du bist keine Rabenmutter weil Du so denkst, ganz im Gegenteil. Ich finde gut dass Du dich selbst nicht vergisst. Und mach das ruhig auch anderen klar, die sofort nach dem Kind fragen, selbst wenn er nicht dabei ist. Du hast deine Existenz nicht an der Kreißsaaltür aufgegeben oder bist unsichtbar geworden nur weil Mini K. jetzt existiert.

    Was Du schreibst, war genau der Grund wieso ich bei Twitter rigoros die meisten Muttis aussortiert habe. Auch da muss man aufpassen dass man sich nicht Muttiblase bewegt. Mich hat das irgendwann genervt, dieses – es dreht sich alles nur ums Kind und wehe man twittert mal was außerhalb von Kind und DIY, dann wirst Du sofort abgestraft/entfolgt –

  2. Es imponiert mir, wie offen du darüber schreibst!
    Mein Sohn ist 25 und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir dieses Alles-dreht-sich-um-das-Kind auf den Nerv ging.
    Wie Jennifer schon schrieb…. Entschuldige dich nicht für deine Worte, sie sind nachvollziehbar.

Kommentar verfassen